Ginnungagap und Ragnarök

Ernest Hemingway war ein begeisterter Jäger zu Wasser und zu Lande. Man kennt die Trophäenbilder des Großwildjägers, seine Lust am Stierkampf und seine Reportagen. „Ich töte gerne“,
Ernest Hemingway war ein begeisterter Jäger zu Wasser und zu Lande. Man kennt die Trophäenbilder des Großwildjägers, seine Lust am Stierkampf und seine Reportagen. „Ich töte gerne“,

Gemäß der Annahme von Carl Gustav Jung (1857–1961), Begründer der analytischen Psychologie, ist das Unbewußte des Menschen in zwei Schichten angelegt. Eine äußere Schicht bildet das persönliche Unbewußte, das wesentlich durch subjektive Lebens­erfahrungen gebildet und geprägt wird. Eine zweite tiefere Schicht bildet das kollektive Unbewußte. Dieses stellt die seelische Grundlage eines jeden Menschen dar und ist angeboren. Das Unbewußte enthält Inhalte, die in bewußte Erfahrungsebenen übergehen können.

Beim kollektiven Unbewußten vollzieht sich die Bewußtwerdung in Form von sogenannten Archetypen. Diese Archetypen sind bildliche Manifestationen menschlicher Urerfahrungen wie etwa Geburt, Tod, Naturkatastrophen, Angst, Fluß, Meer, See usw., die sich in Märchen, Mythen und Träumen finden. In mythologischen Erzählungen wie zum Beispiel Schöpfungs­geschichten und Weltuntergangs­szenarien verschiedenster Kulturen und Epochen weltweit wird die Verarbeitung und Bewußtwerdung der archetypischen Urbilder verfolgt. Die weit­verbreitete Übereinstimmung bestimmter Symbole, Bilder und Themen in Mythologien in eigentlich voneinander getrennten Kulturkreisen gilt als Beleg für die von Jung aufgestellten Theorien über die Existenz archetypischer Strukturen in der menschlichen Psyche.

Während der Mensch in archaischen Gesellschaften die mythologischen Vorstellungswelten durchlebt und die Einordnung der menschlichen Existenz in den von ihm wahrgenommenen Kosmos einzuordnen versucht, entzieht sich für den modernen Menschen der reichhaltige Schatz an Symbolen und Erzählungen in seiner einstigen Größe und Mächtigkeit.

Durch die malerische und zeichnerische Beschäftigung mit den mythologischen Ur-Themen kann vielleicht die Faszination und ursprüngliche Emotionalität zurück ins Gedächtnis gerufen werden. Gerade die skandinavische und germanische Mythenwelt birgt einen reichhaltigen Schatz an faszinierenden Ideen, Bildern und Vorstellungen, die vielleicht auch dem modernen Menschen Aufschluß über seine Ursprünge und das Wesen seiner Existenz geben können.

Eine kurze filmische Umsetzung des isländischen Schöpfungsmythos finden Sie hier …